Deutschland gemeinsam gestalten
Ein Umdenken in der Integrationsarbeit ist dringend erforderlich, um eine Spaltung der Gesellschaft in 'wir' und 'ihr' entgegenzuwirken. Menschen, die in der Integrationsarbeit tätig sind und Menschen mit Zuwanderungsgeschichte tragen dafür Verantwortung, dass dieses Umdenken stattfindet.Nicht die Integration der Migranten ist notwendig, sondern die Inklusion aller Bürger in Deutschland.
Sechs Voraussetzungen für ein ebenbürtiges Miteinander:
1. Das Potenzial der Migranten nutzen
Bürger mit Migrationsgeschichte bringen Kompetenzen mit, die bisher zumeist ungenutzt bleiben. Diese Kompetenzen stellen ein Erfolgspotenzial für die hiesige Gesellschaft dar, vorausgesetzt es wird auch tatsächlich als solches erkannt und genutzt. Sollte der vorherrschende Defizit-orientierte Blick auf diesen Teil der Gesellschaft weiterhin bestehen, so ist eher mit einer Vervielfachung der heute schon vorhandenen Integrationsprobleme zu rechnen. Ein Umdenken vom kompensatorischen zum Kompetenzorientierten Blick ist zwingende Voraussetzung für eine erfolgreiche Inklusion.
2. Elternbildung als Schlüssel zur Inklusion erkennen
Integrations- und Orientierungskurse sind erste Ansätze einer angemessenen Inklusionsarbeit. Auch wenn Sprache eine wichtige Komponente der Inklusionsarbeit darstellt, so ist dies jedoch eine verkürzte Sicht auf das Thema. Es ist unabdingbar das gesamte Bildungsniveau der Kinder und Jugendlichen mit Migrationsgeschichte zu heben. Dies ist nur in Zusammenarbeit mit den Eltern möglich. Elternbildung ist daher der Schlüssel zur Inklusion der Migranten. In den meisten Kulturen und insbesondere in der arabisch-islamischen Kultur, sind die Mütter die richtigen Ansprechpartner für die Elternbildung.
3. Die eurozentrische Brille ablegen
Jeder Mensch wird durch seine Familie und seine nähere Umgebung geprägt. So ist es nur natürlich, dass sich die Werte und Normen, die einen Bürger der Mehrheitsgesellschaft prägen, von den Werten und Normen, die einen Bürger mit Migrationsgeschichte prägen, unterscheiden. Um die Zielgruppe der Eltern mit Migrationsgeschichte besser zu verstehen und besser zu erreichen, ist es notwendig, den eigenen kulturell geprägten Blick zu relativieren, ihn als einen von vielen möglichen 'Brillen' zu betrachten und somit andere kulturell geprägte 'Brillen' anzuerkennen.
4. Vielfalt anerkennen und wertschätzen
In einer multikulturellen Gesellschaft führt der Weg zum gesellschaftlichen Zusammenhalt über die Verabschiedung von der Idee einer Leitkultur. Die verschiedenen, in Deutschland existierenden Lebensformen und Erziehungsstile müssen als gleichwertig akzeptiert werden und die Kultur des einzelnen Bürgers als eine von vielen ebenbürtigen Lebensmodellen angesehen werden. Vielfalt muss als Chance für sozialen Frieden, wirtschaftlichen Erfolg und staatlicher Stabilität entdeckt werden.
5. Mehrsprachigkeit als Normalität betrachten
Ein Aspekt der gesellschaftlichen Vielfalt ist die Sprache. Alle Muttersprachen, die Bürger dieser Gesellschaft sprechen, sind gleichwertig. Deutsch bleibt dabei die Amtssprache und die verbindende Sprache zwischen den Bürgern.
In der Elternbildung bedeutet dies eine zweisprachige Durchführung von Maßnahmen und die zweisprachige Konzeption von Eltern-Informationsmaterialien. Dies kann optimal durch zweisprachige Referenten aus den Reihen der Migranten gewährleistet werden. Auch hier muss das Potenzial der Migranten noch stärker genutzt werden.
In der Elternbildung bedeutet dies eine zweisprachige Durchführung von Maßnahmen und die zweisprachige Konzeption von Eltern-Informationsmaterialien. Dies kann optimal durch zweisprachige Referenten aus den Reihen der Migranten gewährleistet werden. Auch hier muss das Potenzial der Migranten noch stärker genutzt werden.
6. Strukturelle Hürden beheben
Erfolgreiche Integrationsarbeit hängt wesentlich von den Rahmenbedingungen ab. Viele Angebote erzielen keine Erfolge, da sie den sozialen Bedingungen der Zielgruppe nicht gerecht werden. Hochschwelligkeit und Strukturen, die der Mehrheitsgesellschaft bzw. der gutbürgerlichen Schicht entsprechen, können unüberwindbare Hürden für die Zielgruppe darstellen.
